Herausragende Referenten und komplexe Themen beim Jubiläumskongress "Zukunft des Forderungsmanagements"

2016-09-20 20:29
Die REAL Solution Gruppe begrüßt ihre Gäste

Am 15. September pünktlich um 10 Uhr begann unter dem Motto “Zukunft des Forderungsmanagements“ der Jubiläumskongress der REAL Solution Gruppe anlässlich des 25-jährigen Bestehens. Gut 100 Gäste aus Wirtschaft und Politik verfolgten bei sommerlichen Temperaturen ein sehr interessantes Programm von Vorträgen rund um das Thema Forderungsmanagement in der Zukunft. Veranstaltungsort waren die Elbarkaden in der Hamburger Hafencity, direkt an der Wasserkante des Elbtorhafens neben dem Internationalen Maritimen Museum.

Wie sehen zukünftige Prozesse im Forderungsmanagement aus? Welche gesetzlichen Änderungen gibt es? Diese und ähnliche Fragen wurden mit den Gästen und den hochkarätigen Referenten erörtert.

Professor Dr. Hans-Jürgen Papier

In seinem Vortrag “Forderungsmanagement als Rechtsdienstleistung“ setzt sich der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Professor Dr. Hans-Jürgen Papier mit der im § 4 Abs. 5 RDGEG vorgesehenen Ermächtigung zur Deckelung der Inkassokosten auseinander. Mit dem Rechtsdienstleistungsgesetz ist die Tätigkeit der Inkassounternehmen auf eine neue Rechtsgrundlage gestellt worden.

Professor Dr. Papier hat verfassungsrechtliche Bedenken gegen die Deckelung der Inkassokosten und sieht darin einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes im Vergleich zu Rechtsanwälten. Eine sachliche Begründung für eine ungleiche Behandlung ist nicht zu erkennen, da der Gesetzgeber in seiner Wertung im RDG im Bezug auf die Befugnisse und die Vergütung im Tätigkeitsfeld Inkasso keine Unterschiede zwischen einem Rechtsanwalt und einem Inkassounternehmen macht.

Schwarze Schafe der Branche, mit ihren unseriösen Methoden zurückzudrängen, indem auch der überwiegende Teil der seriös arbeitenden und sich legal verhaltenden Inkassodienstleistungsunternehmen mit einer unter der Anwaltsvergütung liegenden Höchstsatzregelung bestraft werden, schießt eindeutig über das legislatorische Ziel hinaus.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Die ehemalige Justizministerin, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, setzte sich in ihrem Vortrag “Forderungsmanagement und Verbraucherschutz“ kritisch mit dem Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken auseinander. Mit diesem hat der Gesetzgeber die Berufsausübungen der Inkassounternehmen stark reguliert.

Zu einem funktionierenden Rechtsstaat gehöre die Durchsetzung der jeweilig berechtigten Forderungen des Gläubigers. Der Schuldner muss vollumfänglich seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen. Mit den Problemen der Forderungsdurchsetzung befasst sich der Gesetzgeber unter verschiedenen Aspekten immer wieder. Die neuen Informationspflichten aus dem Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken bedeuten eine Chance, den Ruf der Masse der ehrlichen Unternehmen der Branche wieder zu verbessern. Eine aktuelle Untersuchung des Ministeriums für Verbraucherschutz soll Aufklärung darüber geben, ob die Ziele mit den gesetzgeberischen Maßnahmen erreicht werden können. Nach Auffassung der früheren Ministerin haben sich nach vorliegenden wissenschaftlichen Studien die Transparenzregelungen bewährt, so dass es keinen Anlass zu weitergehender Regulierung geben dürfte.

Dr. Michael Freytag

Der Vorstandsvorsitzende der SCHUFA, Dr. Michael Freytag, gab den Zuhörern in seiner Präsentation “Forderungsmanagement und Daten“ einen Eindruck von den Veränderungen, die aus der Welt der Daten auf uns zurollen. Der digitale Wandel hat beispielsweise das Einkaufsverhalten weiter Teile der Bevölkerung maßgeblich verändert. Ein riesiges Angebot, das zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung steht, ist für viele Menschen eine echte Bereicherung. Persönliche Daten der Kunden gehen dabei durch unterschiedlichste Hände - das Internet und auch andere Informationsmedien haben sekundenschnellen Zugriff auf eine unübersehbare Menge personenbezogener Daten. Gleichzeitig nimmt aber die datenschutzrechtliche Regelungstiefe zu. Den Erfolg dieses schnellen und zuverlässigen Datenaustausches – auch zum Schutz der Verbraucher vor Überschuldung – könne man daran ermessen, dass derzeit 97,6% aller Kredite in Deutschland vertragsgemäß zurückgezahlt werden.

Für Herrn Dr. Freytag war der Vortrag in den Elbarkaden quasi ein Heimspiel. Als ehemaliger Hamburger Senator für Stadtentwicklung hatte er die Projekte der Hafencity intensiv vorangetrieben.

Podiumsdiskussion unter Leitung von Marco Heinsohn

Die anschließende Podiumsdiskussion der Referenten des Vormittags - unter Moderation von Marco Heinsohn - ermöglichte es, die Sachverhalte direkt aufzugreifen und mit den Referenten zu den Schwerpunkthemen des Rechtsdienstleistungsgesetzes, des Verbraucherschutzes sowie der personenbezogenen Daten zu diskutieren. Ein großes Thema war dabei die Fragestellung ob die Gesetzgebung dem technischen Fortschritt hinterher hinkt, da es für den Datenschutz in beispielweise den sozialen Netzwerken nur unzulängliche Regelungen gibt.

Dr. Karsten Krupna

Die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung ist das Ergebnis eines fünfjährigen Reformvorhabens des EU-Datenschutzes und tritt zum Mai 2018 in Kraft. Der Vortrag “Die EU-Datenschutz-Grundverordnung“ von Herrn Dr. Krupna, Rechtsanwalt spezialisiert unter anderem auf Datenschutz bei ESCHE SCHÜMANN COMMICHAU, ermöglicht dem Inkassounternehmer, sich einen schnellen und unkomplizierten Überblick darüber zu verschaffen, an welchen Stellen und Prozessen Anpassungen gegenüber bisherigen Datenschutz-Strukturen nötig sind. Die DS-GVO bringt erhebliche Risiken und Mehraufwand mit sich, bietet aber auch bisher unerkannte Chancen. Herr Dr. Krupna zeigte die für die Praxis wichtigsten Veränderungen sowie ihre Auswirkungen auf beispielsweise die Frage der Einwilligung des Schuldners für Bonitätsanfragen, Einmeldungen an Auskunfteien und die Abgabe an ein Inkassounternehmen. Ferner erläuterte er den neuen Anspruch auf Datenportabilität von einem Anbieter zum nächsten.

Frank-Michael Goebel

Herr Frank-Michael Goebel, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Koblenz, hielt einen Vortrag rund um das Thema "Inkassokosten aus drei Perspektiven": Dem Gläubiger, dem Schuldner sowie dem Verbraucher bzw. Arbeitnehmer. Ausgangspunkt war die Frage, warum Inkassounternehmen beauftragt werden und welche Vorteile dies für Unternehmen, Schuldner und Verbraucher aufgrund der unterschiedlichen Herangehensweise von Inkassounternehmen gerade auch unter Kostengesichtspunkten gegenüber einem Rechtsanwalt hat. Er sieht die Entwicklung zur vermehrten Zusammenarbeit der Wirtschaft vom Großunternehmen bis zum örtlichen Handwerker mit Inkassounternehmen auch als Ausdruck eines allgemeinen Trends in der Wirtschaft: Unternehmen konzentrieren sich auf ihr Kerngeschäft und überlassen Rechtsanwälten und Inkassounternehmen als spezialisierten Unternehmen die zielgerichtete Ansprache des Schuldners. Bei Inkassounternehmen stehe dabei insbesondere die gütliche Einigung als insgesamt - den Lebenszyklus einer Forderung bis zur Zwangsvollstreckung und Überwachung betrachtend - kostengünstigste und kundenerhaltenste Beitreibungsform im Fokus.

Tomas Tamm

Herr Tomas Tamm, Geschäftsführer der REAL Solution Gruppe, erläuterte in seinem Vortrag “Scoring im Forderungsmanagement“ den Einsatz in der Praxis. Scoring ist eine Methodik, die auch im Forderungsmanagement Anwendung findet. Damit lässt sich beispielsweise klassifizieren, welcher Mahnprozess für welchen Kunden am passendsten ist. Zusätzlich wird kalkuliert, ob sich ein Mahnbescheid voraussichtlich lohnt. Anhand eines nicht ganz ernst gemeinten Beispiels wurden zu diesem Zwecke Daten erhoben, an denen Herr Tamm von der Datenerfassung bis hin zur Entwicklung der Scorecard die einzelnen Schritte darstellte und erläuterte. Er ermunterte die teilnehmenden Forderungsmanager, sich bei der Entwicklung der Scorecard mit einzubringen um fehlerhafte Interpretationen von Daten und damit falsche Ergebnisse zu vermeiden.

Marco Heinsohn

Mit einer Zusammenfassung der Themen verabschiedete Marco Heinsohn die Gäste und Referenten des Jubiläumskongresses. Der erfolgreiche Kongresstag war geprägt von hochkarätig besetzten Referenten und komplexen Diskussionen, welche einen Ausblick auf die Zukunft des Forderungsmanagements ermöglicht haben.

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